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Wacholderbeere. (Juniperus communis L.)
Die Wachholderbeere, wer kennt sie nicht? Als Räucherwerk verbreitet sie in Zimmern und Gängen angenehmen Geruch und verbessert die Luft. Ich bin kein Freund des sogenannten "Ausräucherns" mit Zucker, Essig u.s.w., da ich nicht begreife, wie man da von frischer Luft reden kann. Wenn es aber gilt, einen Raum, worin ansteckende Kranke, Todte u.s.w. lagen, zu desinfiziren d.i. ansteckungsunfähig zu machen oder zur Zeit ansteckender Krankheiten durch große Räucherfeuer die Luft zu reinigen, dann lobe ich mir stets solchen Wachholderdampf. Der räumt mit allen Pilzen, und wie die fliegenden Anstecker und Krankheitserzeuger heißen, gründlich auf.
Aehnliche Wirkung übt der Wachholder im Innern des menschlichen Organismus aus. Die Beere räuchert gleichsam den Mund und den Magen und seit gegen Ansteckung. Wer im Dienste Schwerkranker (Scharlach, Blattern, Typhus, Cholera u.s.w.) durch Heben, Tragen, Bedienen, Anhören derselben der Ansteckungsgefahr bei Tag und bei Nacht preisgegeben ist, kaue stets einige Wacholderbeeren (6-10 im Tage). Sie bereiten guten Geschmack im Munde und thun gute Dienste bei der Verdauung. Sie verbrennen gleichsam die schädlichen Miasmen, Ausdünstungen u.s.w., wenn diese durch Mund oder Nase eindringen wollen.
Solche, die an schwachem Magen leiden, mögen das folgende Verfahren einhalten, gleichsam eine kleine erprobte Kur mit Wachholderbeeren machen:
Den ersten Tag sollen sie mit 4 Beeren beginnen, den zweiten Tag mit 5 Beeren fortfahren, den dritten Tag sollen sie 6, den vierten 7 Beeren kauen und so mit Tagen und Beeren bis auf 12 (Tage) und 15 (Beeren) aus- und dann wieder auf 5 Beeren heruntersteigen, beim Absteigen jeden Tag eine Beere auslassend. Viele kenne ich, deren gasgefüllter und in Folge dessen geschwächter Magen durch diese einfache Beerenkur gelüftet und gestärkt wurde.
Bei Stein und Gries, bei Nieren- und Leberleiden haben die Wachholderbeeren seit alten Zeiten guten Ruf; ebenso in all jenen Fallen, wo es gilt, faule Gase, faule, wässerige und schleimige Stoffe aus dem Körper zu entfernen.
Neben den Beeren benütze man die jungen Sprossen des Wachholderstrauches zu Thee bei Anfängen der Wassersucht, deßgleichen zur Reinigung des Blutes.
Das Oel kauft man am besten in der Apotheke.
Die Tinktur kann man sich selbst ansetzen in Wein, Branntwein oder Spiritus.
Den Hausvater und die Hausmutter würde ich nicht loben, welche zwar ihr Fleisch, ihr Sauerkraut sorgfältig und fleißig mit Salz und Beeren vom Wachholderstrauche einmachen, welche pünktlich und ängstlich ihr Haus, ihre Wohnungen damit räuchern, die Hütte ihrer Seele aber, den Körper, vielfach im Staube und Moraste liegen lassen. Auch für diese viel wichtigere Hütte sollen sie des Jahres ein paar mal so ein Räucherfeuer, das reinigt und das Athmen erleichtert, anzünden.
sssssssss Die Wacholderbeerkur von Kneipp ist blut- und magenreinigend, schweisstreibend und nervenstärkend sowie hilfreich gegen Migräne und Mattigkeit: Man beginnt mit 2 Beeren täglich und steigert bis 12 (tägl. 1 Beere mehr). Dann wird die Dosis täglich um eine verringert bis auf 2 Beeren. ACHTUNG: Wegen der nierenreizenden Nebenwirkung sollten Wacholderbeeren bei Nierenschäden und während der Schwangerschaft nicht genommen werden. Sie sollten auch nicht länger als 4 Wochen angewendet werden. Der Baum wurde als Fruchtbarkeitssymbol angesehen. Hier ist eine Verbindung zu Wodans Gattin Freyja, die auch als Fruchtbarkeitsgöttin galt. Wacholder gilt auch als Symbol des Lebens und hat eine reinigende Wirkung. Er war immer eine heilige Pflanze. Wacholder ist gut zum Dämonen austreiben, treibt andere Geistwesen weg, die man nicht haben will. Auf Friedhöfen (er ist ein Baum der Toten wie die Eibe) und ums Haus gepflanzt diente er als Schutz vor Hexen und bösen Geistern. Wenn man in ein neues Haus zieht, soll man mit Wacholder räuchern, denn überall kleben die Gedanken und die Geister der Verstorbenen. In den Pestzeiten war er der wichtigste Schutz vor Ansteckung. So wurden mit ihm Haus und Dorf ausgeräuchert, denn in Räucherungen entwickelt er seine reinigende, antiseptische Kraft. Auch heute wird Wacholder noch für Räucherungen benutzt, weil er eine sehr starke Reinigungswirkung hat. Wohlriechendes Holz, beim Verbrennen entsteht ein balsamischer Geruch, zum Räuchern von Fisch und Fleisch, kommt in den Schnaps (Gin). Die Wacholderbeeren haben eine reinigende, antiseptische Wirkung und wurden früher und werden auch heute noch sowohl als Gewürz, als auch als Heilmittel genommen. Wurde oft an die erste Garbe gebunden als Schutz. Die Vögel sollen in den Zeiten der Pest von den Dächern gepfiffen haben: "Esst Kranewitt und Bibernell, dann sterbst nit so schnell." Es gibt eine alte Volksweisheit, die von der Verehrung und Hochachtung des Wacholders zeugt: "Vor dem Holunder zieh' den Hut herunter, vor dem Wacholder geh' in die Knie..."
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